Jedes Jahr findet in Leipzig die Buchmesse statt. Sie zieht neben dem Fachpublikum auch zahlreiche Besucher an, die sich einfach nur für das Lesen interessieren. Man kann sich hier ausführlich über neue Veröffentlichungen informieren, Bücher entdecken, die man sonst vielleicht nicht gesehen hätte, zahlreiche Lesungen besuchen und vielleicht sogar seinen Lieblingsautoren treffen.
CosplayFür Anime- und Manga-Fans hält der Samstag einen Cosplay-Wettbewerb bereit. Bei diesen „Costume Plays“, also Kostüm-Spielen, schlüpfen die Teilnehmer in die Rollen ihrer Idole aus Filmen und Büchern. An diesem Tag ist der Eintritt für alle kostümierten Besucher kostenfrei, was natürlich für einen großen Andrang sorgt.

Etwas stressfreier ist sicherlich ein Besuch am Donnerstag oder Freitag. In jedem Fall ist der Andrang so groß, dass ein extra Busshuttle vom Hauptbahnhof zum Messegelände eingerichtet wurde. Dort angekommen befindet man sich zuerst in der riesigen Glashalle. Sie erweckt den Eindruck, man würde unter freiem Himmel stehen, was natürlich ausschließlich der kompletten, halb runden Verglasung zu verdanken ist. GlashalleHier stellen sich einige Fernsehsender und Radios vor und es gibt Lesungen, die live übertragen oder aufgezeichnet werden.

In vier riesigen Hallen stellen die Verlage ihre Veröffentlichungen vor. Außerdem gibt es dutzende Bereiche, in denen Vorgelesen wird. Es ist für jeden Geschmack und aus absolut jedem Bereich etwas vertreten. Ob Politik oder Religion, Kunst oder Natur, Belletristik oder Sachbuch, Bildbände oder Comics, Jugendromane oder Kinderbücher, Hörbücher oder Gedrucktes, man muss nur wissen, wo man zu suchen hat und kann dann jeden Bereich ausgiebig entdecken. LesungEs fällt nicht ganz leicht, den Überblick zu behalten. Auch trotz Übersichtsplan ist man sich manchmal nicht mehr ganz sicher, ob man schon alles gesehen hat oder ob es noch unerforschte Stände gibt. Bei dem Umfang, den die Messe bietet, ist es aber sowieso schwer, sich an nur einem Tag einen kompletten Überblick zu verschaffen, dazu muss man die Buchmesse mehrere Tage lang besuchen.

BallonBesonders interessant für mich war Halle 2, hier findet man den Kinder- und Jugendbuchbereich sowie Comic, Cartoon, Rollenspiel und Fantasy. Einen großen Teil der Räumlichkeiten nehmen neben Verlagsständen auch solche ein, an denen Fanartikel verkauft werden. Shirts, Figuren, DVDs oder Taschen können hier erworben werden. Besonders interessant sind die Zeichner, die sich vorstellen und denen man bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen kann. Wer eine Pause braucht, kann sich Animes auf der Leinwand ansehen oder eine der zahlreichen Lesungen besuchen. Ich habe mich besonders gerne bei der Fantasy Leseinsel aufgehalten, da dort einige meiner Lieblingsautoren gelesen haben.


Markus Heitz
Die erste Lesung habe ich allerdings außerhalb des Messegeländes besucht. Markus Heitz hat in der Ludwig-Buchhandlung an Hauptbahnhof seinen neuen Roman „Das Schicksal der Zwerge“ vorgestellt. Hierbei handelt es sich um den vierten und letzten Band seiner erfolgreichen Reihe um die „kleinen zornigen Männer“. So wurden sie nämlich in der japanischen Übersetzung genannt. Im Original heißt das dann Dowafu. Der echte Fan konnte sich Aufkleber und Buttons mit diesem seltsamen Wort mitnehmen und mit ihnen jeden verwirren, der kein Japanisch spricht. Markus Heitz trägt seine Texte äußerst humorvoll vor und erzählt dazu den einen oder anderen Schwank zu der Entstehungsgeschichte seiner Bücher.



Eine Rezension zu Markus Heitz’ Vampir-Roman “Die Kinder des Judas” findet ihr hier.

Katja BrandisEtwas ruhiger geht es in Katja Brandis Roman „Der Sucher“ zu. Es ist eine Geschichte aus ihrer Welt Daresh, in dem sie die Geschichte des Jungen Tjeri erzählt. Die Autorin hat bereits mehrere Daresh-Bücher veröffentlicht.
Die Rezension zu Katja Brandis’ Roman “Der Sucher” findet ihr hier.
GuptaraDie Zwillingsbrüder Suresh und Jyoti Guptara stellen ihren Roman „Die Verschwörung“ vor. Es ist der erste Band einer Reihe, die in der Welt Calaspia spielt. Außergewöhnlich ist nicht nur, dass dieses Buch von gleich zwei Autoren verfasst wurde, sondern auch, dass sie erst elf Jahre alt waren, als sie die Arbeit daran begonnen haben. Inzwischen sind sie neunzehn und haben ihn viele Male umgeschrieben. Zu ihrem außergewöhnlichen Akzent sei zu sagen, dass sie einen indischen Vater und eine britische Mutter haben und in der Schweiz wohnen. Das erklärt so einiges. Aus ihrem Roman lesen sie abwechselnd vor und geben ihren Figuren auf diese Weise unterschiedliche Stimmen und lassen sie sehr lebendig erscheinen.

Die Rezension zu ihrem Buch “Calaspia - Die Verschwörung” findet ihr hier.

Isabel AbediIsabel Abedi zählt mit Sicherheit zu einer der erfolgreichsten Autorinnen im Bereich Kinder- und Jugendbuch. Mit „Whisper“, „Imago“ und „Isola“ hat sie drei Bücher für Jugendliche veröffentlicht, die durch ihre Intensität überzeugen. Hier liest sie aus ihrem neuesten Roman „Isola“ vor, in dem es um zwölf Jugendliche geht, die sich auf einer einsamen Insel befinden und dort rund um die Uhr von Kameras beobachtet werden.

Die Rezension zu Isabel Abedis Roman “Isola” findet ihr hier.

Kai MeyerKai Meyer hat sich mit der Merle-Trilogie in die Herzen seiner jugendlichen Leser geschrieben. „Das Wolkenvolk“, aus dem er auf der Buchmesse vorgelesen hat, ist bereits seine dritte Buchreihe für Jugendliche. Die Geschichte spielt im alten China und man fühlt sich direkt in seine fantastische Welt versetzt, wenn er vorliest. Im August erscheint der erste Band seiner neuen Trilogie, die „Dschinnland“ heißen wird. Er heißt „Die Sturmkönige“ und Kai Meyer hat hier bereits einen ersten Einblick in die Geschichte gegeben.
Thomas FinnThomas Finn hat mit seiner „Chronik der Nebelkriege“ für Aufsehen gesorgt. Hier werden wir in eine Welt versetzt, die der unseren zwar ähnelt, die aber trotzdem ganz anders ist. Es handelt sich um eine Art verzaubertes Deutschland, in das wir eintauchen. Erzählt wird die Geschichte des Zauberlehrlings Kai, der gegen die böse Nebelkönigin Morgoya antreten muss. Thomas Finn gelingt es, seinen Vortrag besonders lebendig zu gestalten. Man merkt, dass er ein Vollbluthamburger ist, wenn er in die Rolle seines Klabauters schlüpft. Aber auch allen anderen Charakteren verleiht er eine eigene Stimme, wodurch man sich seine Figuren sehr genau vorstellen kann.

Die Rezensionen zu Thomas Finns Romanen findet ihr hier.

Antonia Michaelis Auch Antonia Michaelis trägt ihre Texte sehr lebendig vor. Sie macht daraus eine Art schauspielerischen Vortrag. Einige Passagen kann sie stellenweise sogar frei vortragen, was ihr die Möglichkeit gibt, sie individuell zu interpretieren. Außergewöhnlicher weise liest sie im Stehen und bewegt sich frei über die Bühne. Sie bezieht sogar die Zuschauer mit in die Handlung ein. Man kann gar nicht anders, als ihrer Erzählung vom unsichtbaren Thronfolger und dem Jungen Christoph aus „Drachen der Finsternis“ wie gebannt zuhören.

Die Rezension zu “Drachen der Finsternis” findet ihr hier.
FunoEins der interessantesten Bücher, die ich auf der Messe entdeckt habe ist „Funo und der Nussbaumhügel“ von Gabi Desch und Corinna Fubel. Es ist ein Kinderbuch, das seine Leser auf den ersteren Blick mit unglaublich entzückenden Bildern fesselt. Eine riesige Plastik der Figuren zieht die Besucher zusätzlich magisch an. Ob die Geschichte selbst genauso überzeugend ist, muss sich noch zeigen, die Leseprobe auf der Webseite für Funo-Freunde ist jedenfalls sehr viel versprechend.

Besonders gefreut habe ich mich über den Stand von Sergey Yakushev. Dieser Künstler zeigt in seinen Radierungen Tierfiguren, die durch ihre extreme Niedlichkeit schnell so manchen Freund finden. Bereits seit vielen Jahren verkauft er seine Werke auf dem Gauglerfest in Berlin, wo auch ich ihn zum ersten Mal gesehen habe. Wer die kleinen Wesen, die er entwirft, einmal selbst sehen möchte, kann die Webseite des Malers besuchen: www.yakushev.de. Hier kann man auch sein Buch erwerben, das ich wirklich jedem empfehlen kann.

Auch für Rollenspieler gibt es einiges zu entdecken. So wird zum Beispiel NOVA, eine neue Sciencefiction-Welt vorgestellt. Einen ersten Überblick kann man sich auf der äußerst gelungenen Webseite www.nova-rpg.de verschaffen. Eine neue Idee stellt auch die Welt Pyramos dar. Sie ist nämlich wie ein Tetraeder, also ein vierseitiger Würfel, aufgebaut. Seine Seiten sind aufgeteilt in eine Wasser-, Feuer-, Erd-, und Luftebene. Dadurch ergeben sich extrem außergewöhnliche Charaktere, die ungewohnten Spielspaß versprechen. Online kann man sich unter www.prost-rollenspiel.de über Pyramos informieren.

Zu den Fundstücken der etwas anderen Art gehört „Die Buch Bar“. Auf den ersten Blick ist man etwas verwirrt und weiß nicht genau, wo man da überhaupt gelandet ist, aber schnell merkt man, dass sich hier einfach alles tummelt, was mit Büchern zu tun hat, aber selbst gar kein Buch ist. In der Buch Bar findet man Tassen, Krawatten und Uhren mit Büchern, besondere Bürsten, mit denen man seine Bücher reinigen kann, kunstvolle Ex-Libris, ausgefallene Bücherregale und sogar lyrische Salzstreuer. Wer neugierig auf diese Produkte geworden ist kann sie sich unter www.diebuchbar.de direkt ansehen.

BrauseEins der originellsten Giveaways ist das Brausetütchen zu „Der unsterbliche Alchemyst“, das man am Stand des Verlags Cbj erhalten konnte. Die altbekannte Ahoi-Brausetüte sieht im Look des Buchcovers sehr außergewöhnlich aus. Was das Ganze mit dem Roman zu tun hat, bleibt ein Rätsel. Handelt es sich etwa um besonders prickelnde Literatur? Ausgefallen ist dieser literarische Leckerbissen aber allemal.

VoodoobabysFernab jeder Literatur sind die „Voodoobabys“. Das sind kleine Voodoopüpchen in originellem Aussehen, die jedes für sich eine besondere Botschaft haben und dem Besitzer Glück bringen sollen. Der kleine Infozettel, den man am Stand ausgehändigt bekommt, hält dann aber doch noch ein getextetes Schmanckerl der ganz besonderen Art bereit, denn offensichtlich wurden die kurzen Infotexte zu den Figuren mit einem einfachen Onlinetool übersetzt. Und wie fehlerhaft die arbeiten, zeigt sich gerade bei längeren Sätzen auf äußerst amüsante Weise. Wer diese lesen möchte, klickt auf das Bild links, was wirklich gemeint war kann man unter www.vdbaby.com nachlesen.

PauseNach drei Tagen anstrengender Tour über das Leipziger Messegelände, unzähligen interessanten Entdeckungen und vielen neuen Bekanntschaften bleibt erstmal eins: schmerzende Füße. Nachdem diese der Vergangenheit angehören, bin ich trotzdem froh, die Tortour auf mich genommen zu haben, denn es hat einfach Spaß gemacht. Auf der Buchmesse entdeckt man Dinge, auf die man sonst nicht stoßen wurde, trifft sich mit Autoren, hört spannenden Lesungen zu und ist danach völlig überwältigt von all den intensiven Eindrücken. Eins ist auf jeden Fall klar: Der Besuch hat sich gelohnt und ich werde auch nächstes Jahr wieder mit von der Partie sein.

Messe

Funo

Stand1

Stand2

Katja Brandis

Isabel Abedi

Cosplay

Kai Meyer

Kai Meyer

Thomas Finn

Antonia Michaelis

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Kommentare

admin on 25 März, 2009 at 01:31 #

Übrigens: Den Artikel zur Buchmesse des Jahres 2009 findet ihr hier: http://www.meine-rezensionen.de/index.php/buchmesse-leipzig-2009/


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